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Bei den Internationalen Dortmunder Schachtagen läuft mit der Sparkassen Chess Trophy 2026 eines der größten Turniere im deutschen Schachkalender. Rund 400 Teilnehmende aus 43 Föderationen spielen in drei parallelen Wettbewerben, dem A-Open, dem B-Open und dem Internationalen Frauenturnier, um einen Preisfonds von 20.000 Euro. Mit dabei: ein starkes Aufgebot mit DSB-Bezug.
Deutschlands Schach bekommt einen starken Partner an der Seite. Der Deutsche Schachbund hat mit der Chess Media Group eine langfristige Vermarktungspartnerschaft geschlossen, die genau dort ansetzt, wo der Sport gerade wächst: bei Nachwuchs, Frauenschach und Sichtbarkeit.
Diese junge Frau ist ein Multi-Talent. Fangen wir mit dem von ihr gespielten Instrument an, das eher ungewöhnlich ist: Fagott, ein Holzblasinstrument in der Tenor- und Basslage mit Doppelrohrblatt. Früher spielte sie sogar in einem Ensemble. Mittlerweile fehlt es dafür an Zeit. Wen wundert`s, bei alle den anderen Interessen. Denn auch Klavierspielen beherrscht sie, auch das muss geübt werden – zweimal pro Woche. Und sie klettert sehr gerne, mindestens einmal wöchentlich wird trainiert. Außerdem ist sie eine ausdauernde Läuferin, bekocht gerne mal ihre Familie – und ja: Paula Czäczine ist auch und vor allem eines der größten Schach-Talente Deutschlands. Das wiederum verwundert auch niemanden in der Schachszene so wirklich: Denn der Papa von Paula und Schwester Laura Czäczine, 18 Jahre alt, ist Norman Thielsch - ein 2300-Elo-Fidemeister und erfolgreicher Trainer. Und Mutter Anne Czäczine,Mannschaftsführerin beim CSC Aufbau 95 Chemnitz, hat 2133 Elo auf dem Konto. Aber: Die Mutter spürt mittlerweile den heißen Elo-Atem ihrer jüngsten Tochter im Nacken, denn sie hat gerade die 2100-Elo-Grenze überschritten – mit einem Zugewinn von satten 63 Elo beim Kandidatinnenturnier der Deutschen Einzelmeisterschaft in Dresden. Platz eins – und die Qualifikation für die Meisterklasse im kommenden Jahr. Willkommen in den Top Ten der deutschen Frauen-Rangliste, Paula Czäczine!
Am frühen Abend kabelte Tatjana Melamed euphorisch aus Parbubice in Tschechien: „Wir sind Europameister!“ Die Begeisterung hatte sich bei der Trainerin der DSB-U12-Mädchen auch noch zwei Stunden später nicht gelegt, als sie im Telefonat sagte: „Das war wirklich der Hammer, was heute passiert ist. Wir sind sehr, sehr glücklich.“ In der siebten und letzten Runde traf am heutigen Samstag Team Germany 1 ausgerechnet auf Team Germany 3. Psychologisch, so Melamed, sei diese Auslosung schwierig für die Mädchen gewesen. Aber Team 1 mit Yuefan Chen und Tiffany Tu meisterte die Hürde, siegte in zwei engen Duellen 1,5:0,5 gegen Isabella Artemenko und Sara Vignesh. Weil zeitgleich Polen gegen die Türkei verlor, „was wir niemals erwartet hatten, weil die Polinnen Favoritinnen und so stark waren“, sagte Melamed, blieb am Ende Gold für die jüngste deutsche Nationalmannschaft. 11 Mannschafts-Punkte - und somit einer mehr als die Silber-Mädchen aus der Ukraine. Aus deutscher Sicht war dieser erste Titelgewinn bei einer Junioren-WM seit 2019 (damals im U18-Open) nicht der einzige Grund zum Jubeln: Das Schwestern-Team Dora Peglau und Charis Peglau holte Bronze bei der weiblichen U18.
Von Gerhard Dyballa
Pressewart des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Schachbundes (DBSB)
Die 25. Auflage der Senioren-Einzelmeisterschaft des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten Schachbundes (DBSB) fand vom 2. bis 9. Juli zum zweiten Mal im Hotel Stadt Baunatal bei Kassel statt. Das Hotel verfügt über 51 individuell eingerichtete Zimmer und Suiten mit insgesamt 99 Betten, nach Wahl mit Dusche oder Badewanne. Es wurde von den Senioren des DBSB für dieses Turnier ausgewählt, da dort sehr oft für die Blindenvereine Veranstaltungen durchgeführt wurden und die Teilnehmer stets mit der Einrichtung zufrieden waren. Wie mir Teilnehmer des Turniers mitteilten, bot das Hotel auch in diesem Jahr ideale Spielbedingungen in einem großen Raum. Alle hatten an den großen Tischen viel Platz, nicht nur für ihre Blindenschachbretter, sondern auch für das übrige Spielmaterial.
Ganz klar, sagt John Heinrich, das sei der größte Erfolg seiner bisherigen Schachkarriere. Und natürlich bekomme dieser Pokal, der erste Platz beim Kandidatenturnier der Deutschen Meisterschaft einen Ehrenplatz. Aber, wenn man genau darauf blickt, was dieser 19-Jährige aus Zschopau geleistet hat, so ist dieser überraschende Erfolg (der mit der Qualifikation für die Meisterklasse im kommenden Jahr verbunden ist) vor allem ein Beispiel dafür, wie viele Schach-Karrieren sich im Schatten der Großmeister, der großen Turniere, entwickeln. John Heinrich verlor in Dresden keine Partie, landete vor DSB-Toptalent Hussain Besou und holte sich zusätzliche 42 Elo-Punkte dazu. Seine Elo-Zahl steigt damit auf 2398. Könnte man ihn als Self-Made-Man des Schachs bezeichnen, als Selfmade-Titelträger? John Heinrich muss ein bisschen schmunzeln bei dem Begriff, dann aber findet er Gefallen daran: „Ja, das passt, weil ich mir alles selbst erarbeitet habe.“
Der Deutsche Schachbund baut seine Geschäftsstelle gezielt aus und gewinnt dabei drei Persönlichkeiten, die das neue Kapitel des Verbandes aktiv mitgestalten werden. Mit Sandra Schmidt, Jonas Jansen und Emma Korn setzt der DSB ein klares Signal: näher an der Basis, moderner aufgestellt und mit einem klaren Bekenntnis, Schach für alle zu öffnen.
Anruf in Halle an der Saale, im Haus Becker. Die Freude, die die ganze Familie erfasst hat kriecht förmlich durchs Telefon. „Wir sind natürlich in die Knie gegangen vor dem deutschen Meister“, sagt Katharina Becker, die Gattin von Michael Becker – und lacht. „Schon toll, was er da geschafft hat.“ Ihr Mann, 69 Jahre alt, hat die Deutsche Einzelmeisterschaft der Schachspieler mit Behinderung gewonnen. 5,5 Punkte aus sieben Partien. Dank besserer Wertung landete er in Dresden vor dem punktgleichen Reza Mohammed Ghadimi. Es ist wahrlich nicht Beckers erster Titel, die Wohnung ist voll mit Pokalen, die das bezeugen – aber diesmal ist etwas anders als sonst. „Der Pokal ist so schön, dass er ihn im Wohnzimmer stehen lassen darf“, sagt Katharina Becker. Da muss auch Michael Becker schmunzeln: „Ja, das ist schon eine besondere Ehre. Wobei ich sagen muss, dass viele der anderen Pokale, die ich gewonnen habe, auch wirklich potthässlich und somit nichts fürs Wohnzimmer sind.“
Ob das langsam zur DSAM-Final-Tradition wird? In der letzten Nacht in Dresden war wieder ein Feuerwehr-Einsatz – so wie im vergangenen Jahr auch in Bad Wildungen. Damals musste nach einem Wolkenbruch die überflutete Tiefgarage ausgepumpt werden. Diesmal war es ein klassischer Feueralarm, der die Teilnehmer, „zum Teil im flotten Nachtzeug“, wie Turnier-Fotografin Ingrid Schulz lächelnd feststellte, aus dem Maritim-Hotel trieb: „Die DSAM wird halt nie langweilig.“ Stimmt. Auch nicht als Event – und sportlich schon gar nicht. Besonders beeindruckend für Turnierchefin Sandra Schmidt: Der Siegeszug von Tugrul Türel von den Schachfreunden München in der A-Gruppe, also dem stärksten Teilnehmerfeld. Fünf Punkte aus fünf Partien. „Sensationell, unglaublich, einfach irre - bei dieser Konkurrenz so eine Performance abzuliefern“, so Schmidt. Zum Lohn darf Türel im kommenden Jahr beim Kandidatenturnier der Deutschen Einzelmeisterschaft starten.