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Die zweite Turnierhälfte ist in vollem Gange, und Matthias Blübaum setzt seinen soliden Lauf fort. Nach zehn Runden steht er bei neun Remis und einer Niederlage – ein Score, der in diesem Weltklassefeld alles andere als selbstverständlich ist. Besonders bemerkenswert: Mit den weißen Steinen ist Blübaum nach wie vor ungeschlagen. Die Runden neun und zehn zeichneten dabei ein vielschichtiges Bild – zwischen mutigem Aufbäumen, einem glücklichen Wunder, aber auch gewohnt solider Präzision.
In diesem Monat ist der Focus bei ihm wieder voll auf Schach. Am Wochenende des 18./19. April entscheidet sich für Robert Rabiega, ob er mit seinem Vereine SK König Tegel in die zweite Bundesliga aufsteigt - es steigt das "Endspiel"gegen Oberliga-Tabellenführer SV Görlitz 1990. Das Wochenende darauf wird er bei der Zentralen Endrunde (24. bis 26. April) der Bundesliga in Berlin als Kommentator im Einsatz sein. Viele werden ihn hören - und viele werden ihn sehen. Doch die meiste Zeit arbeitet der Berliner für den Schachsport im Hintergrund. Matthias Wolf erzählt Rabiegas ungewöhnliche, ja einzigartige Geschichte:
Auf einigen Feldern Pionier zu sein – damit kennt sich Robert Rabiega aus. Erinnert sei nur an die Saison 1986/87. Mit 15 Jahren feierte er als damals jüngster Spieler aller Zeiten sein Debüt in der Schach-Bundesliga. „Wunderkind Robert will alle matt setzen“, schrieb die Berliner Morgenpost – der Slogan, so erinnert sich Rabiega, prangte damals sogar auf Litfaßsäulen. Ohne sein Wissen. Als er morgens auf dem Schulweg zur U-Bahn lief, standen er und sein Kumpel fassungslos und staunend davor. „Da fiel mir nix mehr ein“, sagt er heute. Und fast so wortlos ist er auch, als er auf eine andere Besonderheit angesprochen wird. Dann sagt er: „Ja, das ist schlimm.“ Ist es wirklich so schlimm, dass er als einziger deutscher Großmeister auch Vereinsvorsitzender ist – bei seinem Herzensklub SK König Tegel? „Nun ja“, sagt Rabiega und verweist auf seinen bisweilen besonderen Humor, „es soll jetzt nicht so rüberkommen, als ob mich das Amt auffrisst – aber es ist schon eine Beeinträchtigung, weil ich dadurch fast nicht mehr zum Spielen komme.“
Neues in Sachen außerordentlicher Bundeskongress, zu dem DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach vom Schiedsgericht des Deutschen Schachbundes verpflichtet wurde, „unverzüglich und unter Beachtung der in § 17 II 2 der Satzung bestimmten Fristen“, wie es in dem mittlerweile vorliegenden ausführlichen Urteil heißt (siehe unten). Gleichzeitig gibt es nun seit gestern auch einen Termin für den außerordentlichen Bundeskongress, den Ingrid Lauterbach einberuft für Samstag, den 16. Mai 2026 ab 10.30 Uhr im Saalbau Volkshaus Sossenheim, Siegener Straße 22, 65936 Frankfurt am Main. Damit ist der Antrag der Landesverbände, die vor das Schiedsgericht gezogen sind, erfüllt, den außerordentlichen Bundeskongress an jenem Termin stattfinden zu lassen, an dem der Hauptausschuss stattfinden sollte. Lediglich der Ort hat sich geändert.
Das folgende Interview mit DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach wurde von der internationalen Schachplattform Chess Topicsgeführt und in der Originalfassung auf Englisch veröffentlicht - hier abrufbar. Nachfolgend nun die deutsche Übersetzung des Interviews.
"Lernen Sie WIM Ingrid Lauterbach kennen! Die erste Frau an der Spitze des Deutschen Schachbundes in dessen 149-jähriger Geschichte. Sie ist es gewohnt, Grenzen zu durchbrechen – sie hat zwei Jahrzehnte lang eine Karriere in der Mathematik mit internationalem Spitzenwettbewerb verbunden. Doch ihr Präsidium steht nun vor seiner komplexesten Bewährungsprobe. Im exklusiven Gespräch mit Chess Topics blickt Lauterbach auf eine bewegte Karriere und ihre größten Erfolge an der Spitze des DSB zurück – und warnt vor der Gefahr der Spaltung des Schachsports - und vor der russischen Einflussnahme, die die Stabilität des Schachs bedrohen würde."
Der Titelverteidiger ist nicht am Start. Er hat Wichtigeres zu tun. So wie viele andere auch. Matthias Blübaum, der als einziger Spieler schon zwei Mal Europameister wurde (2022 und 2025), spielt gerade das Kandidatenturnier. Andere deutsche Großmeister gaben dem grenke Open den Vorzug, mit seinen opulenten Preisgeldern im Freestyle-Turnier – Vincent Keymerholte sich sogar den Turniersieg. Oder die Spieler haben schlicht andere Verpflichtungen. Und so kann Alexander Donchenko mit Fug und Recht behaupten: „Jetzt bin ich der einzige Spieler aus der deutschen Spitze bei der EM.“ Für ihn war es keine Option, „den Nachtbus zu nehmen“, um das Grenke und die EM in Katowice unter einen Hut zu bringen: „Dafür ist mir die EM viel zu wichtig. Schließlich geht es hier um ein Turnier, bei dem ich mich für den World Cup qualifizieren kann.“ In Polen an Nummer sieben gesetzt, könnte Donchenko nun auf europäischer Bühne den Blübaum machen.
Die erste Hälfte des Kandidatenturniers ist gespielt – sieben Runden liegen hinter Matthias Blübaum. Die Bilanz: sechs Remis, eine Niederlage. Auch in Runde sieben blieb Blübaum stabil und trennte sich mit Weiß vom topgesetzten Hikaru Nakamura Remis. Auf den ersten Blick wirkt diese Serie unspektakulär, doch im Kontext eines Weltklassefeldes ist sie ein klares Zeichen: Blübaum hält mit und das auf konstant hohem Niveau. In nahezu allen Partien agierte er äußerst präzise, ließ kaum Chancen für seine Gegner zu und bewies große Stabilität. Lediglich eine Ungenauigkeit gegen Fabiano Caruana kostete ihn bislang einen ganzen Punkt.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Der nächste Schritt fehlt noch. Mit Weiß bleiben klare Gewinnchancen bislang aus. Die erste Turnierhälfte ist damit vor allem eines: ein Beleg dafür, dass Deutschlands Nummer zwei mit der Weltelite mithalten kann und sich auf Augenhöhe bewegt.
Paul Meyer-Dunker geht – Kevin Högy kommt? So könnte es am 27. April 2026 lauten, wenn der bisherige Präsident des Berliner Schachverbandes (BSV) beim Verbandstag sein Amt abgibt. Um dieses bewirbt sich DSB-Sportdirektor Kevin Högy, der bei dem Berliner Verein SC Weisse Dame Mitglied ist. Das vermeldete der BSV gestern Abend. Högy legt auf eine Feststellung wert: „Das ist ein Ehrenamt, das ich in meiner Freizeit ausübe, sofern mir der Berliner Verbandstag das Vertrauen aussprechen wird. Wie auch Carsten Schmidt, der im DSB hauptamtlich als Geschäftsführer arbeitet und beim Berliner Schachverband ehrenamtlich als Ausbildungsreferent tätig ist, werde ich Haupt- und Ehrenamt strikt trennen. Das gebietet schon der Respekt vor dem Amt. Hier wird nichts miteinander vermischt."Paul Meyer-Dunker geht nach sechs Jahren im BSV-Präsidium, davon fünf Jahre als Präsident. Er betonte, dass Kevin Högy aus seiner Sicht der ideale Kandidat sei. „Ich bin zufrieden, wie sich in den letzten sechs vieles im Berliner Schachverband entwickelt hat“, so Meyer-Dunker, „und umso glücklicher bin ich, wenn die Nachfolge hervorragend geregelt ist.“ Er hoffe, dass dies die BSV-Delegierten beim Verbandstag am 27. April ebenso sehen. In den Tagen zuvor wird der BSV, gemeinsam mit den Schachfreunden Berlin, noch die Bundesliga-Endrunde ausrichten und das 125-jährige Jubiläum des Verbandes feiern.
Ruhetag beim Kandidatenturnier auf Zypern. Zeit zum Durchatmen. Auch für Matthias Blübaum, den deutschen Vertreter im Konzert der Großen. Der selbst ernannte “Underdog” hat nach vier Runden fünfzig Prozent Ausbeute zu verzeichnen. Vier Partiern, vier Remis. “Hätte das vor dem Turnier einer prognostiziert, alle hätten sofort unterschrieben”, sagt DSB-Sportdirektor Kevin Högy: “Matthias kann sehr zufrieden sein. Er hat noch alle Chancen.” Denn: “Je länger das Turnier geht, umso mehr Risiko müssen seine Gegner gegen ihn gehen.” Und, das ist bekannt: Blübaum mag es, wenn ihm Favoriten ins offene Messer laufen. Er selbst hat mit seinem Team, aus dem auf Zypern nur sein Schachkumpel Rasmus Svanein Erscheinung tritt (Blübaum: “Es ist schön, jemanden hier zu haben, den ich gut kenne und der auch ein sehr guter Schachspieler ist”) offensichtlich eine klare Taktik ausgetüftelt: Safety first. Die bringt DSB-Kommentator Niclas Huschenbethin seiner Partie-Analysenach der Punkteteilung gegen Rameshbabu Praggnanandhaa so auf den Punkt: “Matthias bleibt seiner Linie treu, die er bisher in dem Turnier gefahren ist – das ist in erster Linie recht sicher und solide zu spielen.“